Tschernobyl unbewohnbar? NEIN!

Die Reportage “Man sieht es nicht, man spürt es nicht” über Tschernobyl vom 25ten August 2012 webt viele Übertreibungen und Panikmeldungen zu einem dichten Angstteppich zusammen. Wenn man sich wirklich neutral über die Folgen des Tschernobyl-Unfalls informieren will, sollte man die Berichte der Weltgesundheitsorganisation (WHO), wie z.B. „Chernobyl’s Legacy“ von 2006 lesen. Dort schreiben die Autoren z.B. dass « poverty, life-style diseases… pose a far greater threat to local communiites than does radiation exposure“.
Als Dokument der ausufernden Panikmache will ich das in der Reportage gezeigte Bild eines gelben Geigerzählers diskutieren. Die Legende lautet: »Das Gebiet unmittelbar um Tschernobyl ist so radioaktiv verseucht, dass hier in den nächsten 200 Jahren kein Mensch dauerhaft leben kann“. Die Anzeige des Instruments gibt eine Dosisleistung von 4.21 MikroSievert pro Stunde (uSv/h) and, welches einer jährlichen Belastung von 36 MilliSievert (mSv) entspricht. Diese Dosis ist mitnichten todbringend. Auf unserm Globus gibt es viele Orte, wo die natürliche Radioaktivität eine weit höhere Belastung erzeugt, ohne dass sich daraus irgendwelche negativen Gesundheitsprobleme ergeben. Um Ramsar (Iran, Küste des Kaspischen Meers) beträgt die Jahresdosis bis zu 260 mSv, in Teilen Brasiliens und Indiens um die 100 mSv, und sogar im nahen Schwarzwald kann der Wert 18 mSv betragen, ohne dass man von Unbewohnbarkeit spricht! Sogar in unserm Land erreicht die Hintergrundstrahlung Spitzenwerte wie z.B. 0.61 uSv/h im Februar 2012 in Steinfort, also ca. 1/7der angeblich „lebensgefährlichen“ Tschernobyl Belastung.
Der Fernsehsender ARTE (dem man nun wirklich keine grosse Atomfreundlichkeit anhaften kann) brachte am 21/08 eine relativ nüchterne Reportage „Tchernobyl, une histoire naturelle“ (abrufbar auf der ARTE Webseite). In diesem Bericht wird gezeigt wie die Pflanzen- und Tierwelt prächtig in den evakuierten Gebieten gedeihen. Amerikanische Forscher bestätigen dass sie bei allen untersuchten Mäusen keinen einzigen Fall von Tumoren oder Missbildungen gefunden haben, die auf die zusätzliche Strahlungsbelastung zurückzuführen wäre. Im Gegenteil bestätigen ihre Forschungen die Hormesis-Theorie, welche sagt dass eine geringe Strahlenbelastung den Organismus eher schützt.
Der UNSCEAR Bericht (2011) spricht von insgesamt 6000 Fällen von Schilddrüsenkrebs in allen umliegenden Regionen (Belarus, Ukraine, Russland), wovon ein Teil sicher vom Atomunfall verursacht wurden. Allerdings sind die Heilungschancen dieses Krebsart mit 99.75 % sehr hoch.
Der Unfall von Tschernobyl sollte nicht verniedlicht oder kleingeredet werden; es war ein GAU der nie hätte passieren dürfen, und der viel menschliches Leid verursachte. Ein beträchtlicher Teil dieses Leides stammt allerdings auch von der übereilten Vertreibung der Einwohner aus Gebieten wo die Strahlungsbelastung dies nicht zwingend verlangte.
Dass mehr als 25 Jahre später und nach vielen nüchternen wissenschaftlichen Forschungsberichten die Folgen der Katastrophe noch immer falsch dargestellt werden um die Angst vor der zivilen Atomenergie am Köcheln zu halten, sollte jedoch nicht mehr kommentarlos hingenommen werden.

Francis Massen

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